
Bomber über Dresden - wie eine ganze Stadt den Tod fand
13. Februar 1945 – es ist etwa 21.30 Uhr, als plötzlich die Sirenen aufheulen – wieder einmal Fliegeralarm.
Es war noch nichts geschehen und doch herrscht ein entsetzliches Durcheinander auf den Straßen von Dresden. Menschen drängen sich dicht voller Panik an die Türen der Luftschutzkeller und schreien angsterfüllt durcheinander. Einige halten nach behinderten Menschen Ausschau, um ihnen in die Luftschutzkeller zu verhelfen, während in nächster Nähe die ersten Bomben fallen. Es setzt ein fürchterlicher Bombenhagel ein, welcher durch das Pfeifen und Heulen der herabfallenden Bomben begleitet wird. Es knallt und splittert entsetzlich – nach etwa 60 Minuten wurde es ruhig und man kann die Sirenen der Entwarnung hören, von denen wohl nur noch wenige in Betrieb sind. Viele Menschen verlassen augenblicklich ihre Keller und laufen auf die Straße, um sich das Ausmaß der Zerstörung anzusehen und den Verletzten Erste Hilfe zu leisten. Als sie sich umsehen, bietet sich ihnen ein grauenhaftes Bild – überall liegen verwundete Menschen die vor Schmerzen schreien, einige von ihnen haben abgerissene Gliedmaßen und Genitalien, aufgeschlitzte Leiber aus denen sich die Gedärme drängen – ein Meer aus Blut und Trümmer.
Die Prager Straße, welche die Geschäftsmetropole Dresdens war, steht in Flammen - überall Trümmer und Menschen, welche schreiend und orientierungslos umher laufen. Der Himmel über ganz Dresden ist durch „Christbäume“ - eine Ansammlung von Magnesiumfackeln, welche an Schirmen oder Ballons hängen – übersät, welche bei Luftangriffen als Zielmarkierung für die anfliegenden Bomberverbände dienen. Der Schein der Fackeln lässt Dresden taghell erscheinen. Die Leute rennen plötzlich schreiend und schutzsuchend umher, Polizisten mit Handsirenen schreien: „Fliegeralarm!“
Der letzte Angriff liegt etwa 3 Stunden zurück – jetzt, erneut ein Knall – es war der Einschlag einer Bombe! Riesige Menschentrauben drängen sich zu den Türen der Luftschutzkeller, es staut sich vor den Kellereingängen, während sie sich schutzsuchend und in Panik schreiend fast zu Tode quetschen. Ohrenbetäubendes Pfeifen und das Detonieren der ersten Bomben – die Intensität des Bombenhagels nimmt immer mehr zu – Einschläge in Sekundenbruchteilen, das Pfeifen der umherfliegenden Splitter, um ihr Leben rennende, schreiende Frauen, Männer und Kinder – alt wie jung, die Luftschutzkeller sind überfüllt.
Nach etwa 20 Minuten Bombenhagel bricht die Stromversorgung zusammen, das Licht geht aus und Not- und Taschenlampen holen die Menschen in den Luftschutzkellern aus der völligen Dunkelheit. Angst, Verzweiflung und Entsetzen steht den Menschen ins Gesicht geschrieben, während der Bombenhagel weiter an Intensität zunimmt – ein Gefühl „Die Welt geht unter!“. Plötzlich ohrenbetäubender Lärm – es sind Luftminen! Da wo eine Luftmine niedergeht, gibt es keine Rettung mehr. Die entstehende Druckwelle ist so stark, daß sie die Lungen der Menschen einfach zerplatzen läßt. Jetzt eine Detonation, welche alle anderen Detonationen übertrifft – ein Schrei: „Phosphor!!!“. Phosphor ist eine Flüssigkeit, welche sofort brennt, wenn sie mit Sauerstoff in Berührung kommt. Sie fließt brennend, entzündet alles was sich ihr in den Weg stellt und ist schwer zu löschen – gießt man Wasser darauf, brennt sie um so schlimmer. Man kann sie also nur mit Sand abdecken um den Brand zu ersticken. Umherfliegende Trümmerteile haben den Menschen, welche in den Luftschutzkeller gesessen haben, die Köpfe abgetrennt und Phosphor fließt durch die aufgerissenen Wände der Luftschutzkeller. Wem die Flucht aus der Brandfalle ins Freie gelang, dem bot sich ein weiteres schreckliches Bild. Alles steht in Flammen und die beißende Hitze versenkt Kleidung und Haare. Der Asphalt brennt und in der Flammenhölle rennen vereinzelte Personen um ihr Leben. Der Bayrische Platz, ein etwa 150x150 m großer Platz mit Wiesen und Wegen, welcher unmittelbar südlich neben dem Hauptbahnhof, auch heute noch, gelegen ist bietet sich für eine Handvoll Menschen als letzte Rettung an, dem Flammenmeer zu entkommen.
Der Bombenregen ließ nach, die Bomberverbände drehen ab, Spätzünder detonieren. Die enorme Hitze der riesigen Brände lösen einen entsetzlichen Feuersturm aus. Nicht nur wahnsinniger Funkenflug ist die Folge, sondern faustgroße, glühende Stücke treiben wie „Geschosse“ durch die Luft. Nur wer sich flach auf den Boden legt, hat eine Chance von möglichst wenig umherfliegende Stücken, welche von Phosphor durchtränkt sind, getroffen zu werden. Wenn jemand getroffen wird, wirft sich ein anderer auf ihn, um die Flammen unter sich zu ersticken und dem anderen somit das Leben zu retten.
In den frühen Morgenstunden setzt ein leichter Nieselregen ein, der den Überlebenden etwas Erleichterung verschafft. Langsam wird es hell über Dresden und den Überlebenden bietet sich ein grauenvoller Anblick – eine unendlich, rauchende und brennende Trümmerwüste wird bei Tagesanbruch sichtbar. Die Straßen sind meterhoch von Trümmer und Staub bedeckt und nur noch anhand der einzelnen, noch stehenden Fassaden zu erkennen. Menschen irren umher, auf der Suche nach weiteren Überlebenden, nach ihren Familienangehörigen und ihrem Zuhause – sie müssen über Berge von Trümmer steigen. Einige von ihnen wurden auf ihrem Weg von einstürzenden Fassaden erschlagen.
In und rund um den Bahnhof liegen tausende unversehrte Leichen, die nicht von Bomben zerfetzt worden waren. Ihre Haut ist dunkelblau gefärbt, sie haben ein Blutrinnsal am Mund – ein Zeichen für geplatzte Lungen durch Luftminen. Diese Leichen wurden auf der Bayrischen Straße auf einer Länge von etwa 200 m, einer Breite von etwa 6 m und einer Höhe von etwa 4 m aufgeschichtet.
Auf den Straßen Dresdens fanden Tausende den Tod, die Leichen liegen überall und die Luft war vom Gestank verwesender Leichen erfüllt. In der Folgezeit wurden mehrere tausend Leichen auf dem Dresdner Altmarkt durch die Überlebenden, ebenso wie Polizisten mit Flammenwerfer verbrannt, einige weitere Tausend fanden ihre letzte Ruhe in Massengräbern auf dem Dresdner Heide-Friedhof. Es war die einzigste Möglichkeit die akute Seuchengefahr zu umgehen.
Das knochige Gespenst einer Stadt, das immer noch mit Namen Dresden heißt. Nach der wahren Zahl der Opfer darf hier niemand suchen. Noch heute wird Hass gegen die Getöteten gesät und „Keine Träne für Dresden!“ gefordert. Befreiung? Befreit man Menschen, in dem man sie ohne jegliche Skrupel bombardiert, obwohl es dazu keinerlei militärische Notwendigkeit gab? Bedeutet Befreiung, daß Hunderttausende einen qualvollen Tod in der Flammenhölle fanden? Wer oder was rechtfertigte die Vernichtung Dresdens? Jeder, der dieses Geschehen vorbereitet, durchgeführt oder auch nur billigend in Kauf genommen hat und im Anschluß daran versucht, diese menschenunwürdige Tat durch Lügen zu begraben, macht sich an diesem Verbrechen mitschuldig! Dresden war nicht das Ende einer brutalen Mordserie – Dresden war erst der Anfang! Viele Deutsche Städte wurden dem Erdboden gleichgemacht und mit diesen Städten starben viele Deutsche – Frauen, Männer, Kinder, Greise – einen Tod, der die Verachtung gegenüber dem Deutschen Volk zum Ausdruck brachte.
In Stunden, an denen die Deutschen ihren durch Besatzerhand Getöteten gedenken, zeigen immer wieder antideutsche Störer ihr wahres Gesicht. Sie verhöhnen die Opfer und fordern „Nie wieder Deutschland“ und eine nochmalige Bombardierung Dresdens – das ist Volksverhetzung und fällt somit unter den § 130 StGB. Die zahlreich anwesenden Reporter und Polizeibeamte scheint das wenig zu kümmern, denn sie haben nur Augen für jene Menschen, welche Jahr für Jahr immer wieder an das schreckliche Ereignis vom 13./14. Februar 1945 und den Opfern dieses Bombenholocaust in Würde und mit Anstand gedenken.
Kerstin für Truemmerfrauen.info





